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Herzlich Willkommen im Krippenhaus! Wer ein Kind aufnimmt, nimmt die ganze Familie auf!

Nach drei erholsamen Sommerferienwochen sind wir Anfang August wieder gestartet. In den ersten Tagen begleitet das Krippenteam die großen Krippenkinder in die Kindergärten. Am ersten Tag begrüßen sie die Kinder zusammen mit den Kolleg*innen aus den Kindergärten und machen dort noch die Morgenkreise mit. Am zweiten Tag halten sie sich schon ganz im Hintergrund auf und sind nur für eine Notsituation zur Stelle. Die ist aber in den letzten sieben Jahren nicht ein einziges Mal eingetreten. Durch viele Besuche vor den Ferien und die Tatsache, dass fast alle Krippenkinder Geschwister in den Kindergärten haben, hat der Übergang von der Krippe in den Kindergarten immer gut geklappt.

Ein anderer, sehr bedeutsamer Übergang findet zu dieser Zeit im Krippenhaus statt: die neuen Krippenkinder kommen und bei den meisten Kindern ist es die erste Trennung vom Elternhaus. Wissenschaftlich ist es belegt, dass die Erfahrungen, die bei dem ersten erlebten Übergang gemacht werden, auf alle weiteren Übergänge (in der Pädagogik spricht man von Transitionen) übertragen werden. Daher gilt es hier besonders sensibel und gut vorbereitet zu sein. Das Krippenteam hat sich in den letzten Jahren an mehreren Planungstagen mit dem Thema Eingewöhnung beschäftigt. Und nach jeder neuen Eingewöhnungszeit findet ein Rückblick statt: Das war gut? Was behalten wir bei? Was müssen wir verändern?

Das Konzept, das der Gestaltung unserer Eingewöhnung zu Grunde liegt, ist das Berliner Eingewöhnungsmodell. Aber nicht alle Kinder, Eltern, Familien und Lebensumstände sind gleich und so kann nicht ein Modell für alle passen. Wir haben mit den Jahren ein „Borgfelder Modell“ entwickelt, das, innerhalb eines festen Rahmens, der den Kindern und Eltern Sicherheit gibt, sehr individuell gestaltet wird.

Schon seit der Osterzeit sind wir mit den neuen Familien im Kontakt. Sie bekommen Informationen über den Start in das neue Krippenjahr und besprechen gemeinsam mit der Krippenleitung, wie sie ihren beruflichen Wiedereinstieg planen. Jetzt werden die Termine verabredet, an denen Eltern (meist sind es allerdings immer noch die Mütter) und Kind den ersten Tag in der Krippe verbringen werden. Ein Kennenlern-Elternabend hat kurz vor den Sommerferien stattgefunden.

Hier erfahren die Eltern, in welche Gruppe ihr Kind gehen wird und nun übernehmen die pädagogischen Fachkräfte aus den Gruppen. Sie besuchen die Familien (in der Regel) zu Hause. Hier ist Zeit für die vielen individuellen Fragen. Bei diesen Besuchen wird oft schon deutlich, ob das Kind zu einer der pädagogischen Fachkräfte einen besonderen Draht hat. Dann wird sie diejenige sein, die die Eingewöhnung intensiv begleitet.

Eingewöhnung…. ein sperriges Wort! Impliziert es doch, dass wir ein Kind eingewöhnen könnten. Nach unserer Erfahrung ist es aber so, dass es ein Prozess ist, der aktiv vom Kind gestaltet wird. Auch hier gilt: das Kind ist Akteur seiner Entwicklung. Dafür braucht es viel Sicherheit durch ein gut durchdachtes Konzept, aber auch eine klare Haltung der Eltern („Es ist gut, dass Du jetzt hier bist.“), eine anregungsreiche Umgebung und andere Kinder. Kinder, die Kontakt aufnehmen, Spiele spielen, an denen man teilnehmen kann und Vieles mehr. In den ersten vier Tagen bleiben Kind und Elternteil für je eine Stunde in der Krippe. Meistens wird am vierten Tag die erste Trennung versucht – immer in guter gegenseitiger Absprache.

Die Eltern sitzen nun für kurze Zeit in unserem Mitarbeiter*innenzimmer. Zunächst noch angespannt und aufgeregt nach und nach immer entspannter. Das Krippenteam hat alles schön hergerichtet und bei Kaffee und Keksen entsteht so manches interessante Gespräch zwischen den Eltern. Die pädagogischen Fachkräfte kommen zwischendurch mit Informationen und zeigen Fotos vom Kind in der Gruppe. Auch bei den Kindern entspannt sich das Verhalten. Sie sind immer noch traurig und weinen, wenn die Eltern gehen. Und das dürfen sie auch! Wir nehmen ihre Gefühle sehr ernst und geben ihnen Zeit, Trauer, Wut und auch Verzweiflung auszudrücken. Die Kinder erfahren: hier werde ich verstanden, hier darf ich mit Kummer und Sorgen sein, hier werde ich getröstet. Und auch jetzt helfen die anderen Kinder. Sie wissen schon, dass Mama oder Papa immer wiederkommen. Und sie handeln: bringen ein Taschentuch, den Schnuller oder das geliebte Kuscheltier. Oder sie setzten sich einfach nur daneben. Die Zeiten, die das Kind in der Krippe verbringt, werden immer länger. Bald kommen die Mahlzeiten dazu, dann die Körperpflege und das Wickeln. Wenn das Kind soviel Vertrauen gefasst hat, dass es in der Krippe einschläft, ist die Eingewöhnung in der Regel geschafft.

Petra Scharf