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Liebe Borgfelderinnen, liebe Borgfelder

 „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?“ So beginnt ein bekanntes Adventslied Paul Gerhardts. Und es stellt eine Frage, die wir uns alle jedes Jahr in veränderter Weise aufs Neue stellen. Wie gehen wir in den Advent, wie gehen wir auf Weihnachten zu? Was bewegt uns in dieser Zeit? Sind wir eher traurig oder skeptisch, weil uns Sorgen drücken, oder haben wir die Möglichkeit voller Freude dem Fest zu begegnen? Und dann gibt es noch die äußeren Faktoren, den Blick in die Welt, der bei manchen den Zugang zum Fest verstellt. Und die Welt verändert sich von Jahr zu Jahr.

Ohne, dass man sich in den Verdacht von platten Allgemeinplätzen begibt, muss man feststellen: Der Weihnachtskommerz nimmt weiter zu. In diesem Jahr ist mir das besonders aufgefallen, da ich diesen Artikel im noch sommerlichen September bei Mitte 20 Grad schreiben muss, was Redaktionsschluss und frühen Herbstferien geschuldet ist. Bei vor einer Woche noch fast 30 Grad las ich im Supermarkt ein Schild mit den Worten „Santa Claus is back“. Darunter stapelten sich Lebkuchen, Dominosteine, Geleekringel, Marzipan und weiteres Süßes für Weihnachten. Danach war mir bei diesen Temperaturen nun gar nicht, wobei mir nach Geleekringeln auch in der Adventszeit nicht ist, weil ich die ohnehin nicht mag. Aber ich störte mich ungemein daran, dass man tatsächlich jetzt 

schon mit einem Weihnachtsmodus belästigt wird, der in meinen Augen vollkommen überflüssig ist und den Kern des Festes zunehmend entwertet.

Das Lied von Paul Gerhardt, das ich oben zitiert habe, geht weiter mit den Worten „o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier.“ Ich glaube nicht, dass aller Welt verlangen Dominosteine im September sind, genauso wenig, wie Kommerz ohne Ende durch den Advent. Im Gegenteil – immer häufiger hört man Stimmen, die unter all dem Stöhnen, weil sie nicht mehr mitkommen und zusätzlich gar nicht mehr so genau wissen, worum es im Advent eigentlich geht.

„Oh Jesu… setze mir selbst die Fackel bei, damit was dich ergötze, mir kund und wissend sei.“ So endet dann die erste Strophe des Adventsliedes mit einem Licht darauf, dass es im Advent eben nicht um den großen Rausch geht, sondern um einen anderen Geist, der durch Jesus in unsere Welt getragen wurde, dessen Ankunft erwartet wird. Es ist nicht der Geist, sich selbst abzufeiern, bis man nicht mehr kann, sondern der Geist, der uns liebend immer wieder aufbauen will, uns sagt „Pass auf dich auf!“ weil er uns aufzeigt, dass in uns ein Funke glüht, der mehr Kraft hat als alles, was wir kaufen können. Gott wird Mensch ist die Botschaft von Weihnachten – in jedem von uns. Ich wünsche uns, dass wir uns dafür den Blick nicht mit Dominosteinen verbauen.

Es grüßt ganz herzlich,

Ihr Clemens Hütte