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Liebe Borgfelderinnen, liebe Borgfelder

„Der Friede Gottes ist nicht Ruhe, sondern treibende Kraft“
                                                         (Albert Schweitzer)

Das war die Überschrift über den diesjährigen Konfirmationen vor wenigen Wochen. Sie entsprang einer intensiveren Beschäftigung mit der Person Albert Schweitzers im Laufe dieses Konfirmandenjahrgangs. Wir stellten fest, dass das Gebot der Nächstenliebe, wie es in der Bibel aufgeschrieben wird, eigentlich zu wenig ist, weil es sich nur um den Menschen dreht. Wir leben aber in einer Welt in der es gilt, auf mehr zu achten, auf die Tiere, auf unsere gesamte Umwelt. – Ein hochaktuelles Thema für Jugendliche, wie die Fridays-for-Future-Demonstrationen im Moment zeigen.

Bei Albert Schweitzer zeigt sich diese Komplexität in der „Ehrfurcht vor dem Leben“. Wir haben uns einige Beispiele dafür angeschaut, wobei sich eines bei den Jugendlichen besonders eingeprägt hat. Ich habe es in meiner Konfirmationspredigt aus den Ausarbeitungen einiger Jugendlicher zitiert:

Albert wollte die Ratten im Dorf nicht töten! Die Krankenpflegerin regte sich darüber auf, dass die Ratten die Füße der Kinder angenagt haben. Die Pflegerin wollte daraufhin Gift gegen die die Ratten hinlegen. 

Schweitzer hat dann gesagt: „Sollen es dann die Ziegen und Hühner essen und dann sterben die. Und dann essen wir die und sterben auch?“ – Nein, das wollen wir nicht. Und wir brauchen die Ziegen und Hühner auch wegen der Milch und den Eiern.

Albert war dagegen, weil er der Meinung war, dass jedes Tier irgendeinen Nutzen hat. Jedes Tier hat eine wichtige Funktion. Ziegen könnten das Rattengift vielleicht mit Futter verwechseln und daran sterben.

Was hier so einfach daher kommt, ist in der Tat hochkomplex und es zeigt uns, dass es nicht allein reicht die menschliche Perspektive im Blick zu haben, wenn wir ein Leben im Frieden mit uns und mit Gott führen möchten. Unser Herz muss sich weiter öffnen, wohl wissend, dass das Gewissenskonflikte mit sich bringt. Wie weit geht der Tierschutz? Wie weit kann ich Dinge ändern, die unserer Umwelt helfen, wie weit kann ich mich über den achtsamen Alltag hinaus engagieren? Wir können nicht alle Probleme dieser Welt gleichzeitig lösen. Wir werden immer Kompromisse finden müssen. Nur in unserer Achtsamkeit sollten wir kompromisslos wach bleiben.

Ich wünsche uns allen, dass wir dafür die nötigen Kräfte aufbringen und die bald beginnende Ferienzeit dafür nutzen können, diese auch mal wieder aufzutanken, wenn der Alltag an ihnen gezehrt hat. Einen guten Start in den Sommer!

Es grüßt ganz herzlich,

Ihr Clemens Hütte