Zur Startseite

Liebe BorgfelderInnen,

in Kürze wird es in den Supermärkten die ersten Weihnachtskekse geben, und ehe wir uns versehen, ist er da, der Advent... eine Zeit der Ruhe, der Besinnung, der Heimlichkeiten…

Weit gefehlt, immer mehr ist es eine Zeit der Hektik, der vollen Kaufhäuser, der inflationären Schar der Weihnachtsmänner, der Geschäftemacherei.

Für Kinder wird die Zeit mit dem Adventskalender verkürzt. Wer die Wahl hat, hat die Qual: …mit Türchen zum Aufklappen… mit oder ohne Schokolade… mit Lego-Schleich-Playmobil-Figuren… mit Star-Wars-Karten…oder doch lieber der mit 24 individuellen kleinen Geschenken???

Manch Frischverliebte (zumeist eine SIE) bastelt dem/der Liebsten (zumeist ein ER) stundenlang Wunschkalender (Vorlagen zuhauf im Netz). Doch wem das alles zu viel, zu stressig und zu aufwendig ist, der kann mittlerweile aus einer ganzen Palette von fertigen Adventskalendern aller Arten auswählen. Es gibt duftende, cremige, ölige, schmackhafte, süße oder pikante, lakritzige oder schokoladige; es gibt sie ökologisch bewusst, vegetarisch und vegan, in Tüten, Schachteln, Briefumschlägen, Beuteln, Socken, Säckchen oder Päckchen zum Abschneiden, Aufrubbeln, Abreißen, Aufklappen, und Abbeißen.

Unter den Stichworten Genuss, Wellness, Fitness, Erotik, Kosmetik, Schmuck, Heimwerken und Wissen gibt es Kalender mit Gewürzen, Kosmetik, Hyaloron-Ampullen (man möchte sich lieber nicht vorstellen, wie jemand nach 24 Einheiten so aussieht), mit Energiekeksen, Losen, Gutscheinen, Tees, Schmucksteinen, Nageldesignzubehör, Kuchenstückchen, Makeup, Müsli, Bio-Porredge, Duftkerzen und diversen Gutscheinen, mit täglichen Yoga-Übungen, mit Mandalas, Rätseln, Märchen, Krimis, Kaffee, Fruchtaufstrichen, Salzen, Totenkopfstickern, Rezepten, Fotos oder Sprüchen. Die ganze Bandbreite also: Für den durstigen Mitmenschen den „Holy-Bierchen“-Kalender mit 24 Bierchen, für den Hobby-Detektiv den Europol-Kalender mit den 24 meistgesuchten Verbrechern, für Leseratten den Kalender mit Leseproben, für Technik-Freaks mit Experimenten, für Zielbewusste mit Dartpfeilen, für Choleriker den Kalender zum Wut-Rauslassen, für Wissensdurstige den mit den klügsten Köpfen, für Rentner den mit Frühstücksleckereien, für Glückssuchende mit Rubbellosen und letztlich für all die Anti-Adventsmenschen, die das eigentlich gar nicht wollen, den „Grausige-Weihnachten-Kalender“ mit schwarzen Pechkeksen.

Was ich nicht verstehe: Wozu müssen Erwachsene ihre Wartezeit verkürzen, klagen sie doch stets darüber, dass alles so schnell vergeht!?!

Wenn man, so wie ich, Texte für eine Gemeindebrief schreibt, hat man ab und an die Hoffnung, dass das, was man schreibt und von dem man überzeugt ist, andere Menschen erreicht und ein ganz klein wenig nachhaltig ist. Ich erinnere nicht, wie oft ich schon über den „Geschenkewahn“ geschrieben habe (zuletzt 2009), mit dem unsere Kinder heute aufwachsen. Ein wenig desillusioniert muss ich feststellen, dass meine Worte nicht so recht gefruchtet haben. Aber ich bin unverbesserlich (und verspreche, mich in meinen verbleibenden neun Gemeindebrieftexten diesbezüglich nicht zu wiederholen), daher:

Liebe Eltern, LASSEN SIE ES SEIN! Verweigern Sie sich dem Druck der Werbung (liebende Mutter etc…), der Familie, den sie umgebenden „besten-Müttern-aller-Zeiten“. Kaufen Sie Ihrem Kind einen Adventskalender mit Türchen (mit oder ohne Schokolade) und gut ist´s! Verweigern Sie jedem weiteren Adventskalender (von wem auch immer angetragen) den Zutritt zu Haus und Kinderzimmer!

Eigentlich müssten alle Mütter/Väter schon die Erfahrung gemacht haben, dass die mühevoll zusammengetragenen „Kleinigkeiten“ nach kurzer Zeit achtlos herumliegen, dass bereits nach wenigen Adventstagen die Euphorie nachlässt und einer gewissen Monotonie Platz macht. Bei uns in der Kita können viele Kinder schon nach einer Woche nicht mehr sagen, was in ihrem Kalender war!

Es ist alles (auch das schon oft geschrieben) gut gemeint, aber ES IST NICHT GUT! ÜBER WAS SOLLEN SICH KINDER NOCH RICHTIG FREUEN, WENN SIE IMMERZU ETWAS KRIEGEN?????

Investieren Sie die eingesparte Zeit in einen Bastelnachmittag mit Ihrem Kind, in eine gemütliche Vorlesestunde bei Kerzenschein oder beim gemeinsamen Keksebacken. Schenken Sie Ihrem Kind ZEIT - in dieser rastlosen Zeit eines der wertvollsten Geschenke überhaupt!

Ihre
Elke Meiners

PS. Auch ich hatte meine „beste-Mutter-aller-Zeiten-Phase“, in der ich gebastelt und getütet habe. Mein Adventskalender-Schlusspunkt war, als mein jüngerer Sohn (zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt) die vierundzwanzig unterschiedlichen Süßigkeiten, einzeln in selbstgenähte Säckchen verpackt, an einem einzigen Abend vertilgte!