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Liebe BorgfelderInnen,

Kürzlich berichtete mir der Vater eines knapp vierjährigen Jungen von seinen Erfahrungen in einer Kita in Jever. Ihm sei unangenehm aufgefallen, dass sein Sohn und er beim morgendlichen Ankommen im Gruppenraum seitens der Erzieherinnen nicht gegrüßt werden. Auf dem Elternabend mit der entsprechenden Bitte konfrontiert konterte die Erzieherin. „Wie oft am Tag soll ich denn HALLO sagen?“ Mindestens zwei Dinge lassen sich dazu sagen:

Erstens: „20 x“ (oder auch 25 x in Niedersachen)!
Zweitens: Das ist keine GUTE KITA!

Nun ist es ja da, das GUTE-KITAGESETZ! Ein Wort wie aus einem Märchenbuch mit einfacher Sprache; und wie im Märchen mag man die Phantasie spielen lassen, was darunter zu verstehen sei. Seitens der Bundesregierung ist das GELD – weniger als gedacht und doch mehr als zuvor – und wofür genau, das bleibt jedem Bundesland überlassen. Man darf – wie im Märchen – gespannt sein! In Anlehnung an das Gesetz an dieser Stelle ein ABC der GUTEN KITA:
A –
Auf den ANFANG kommt es an. Das gilt auch für den Start in eine Kita. Eine gute Kita hat ein Übergangskonzept, das B – BEHUTSAM ist und sich an den BEDÜRFNISSEN der Kinder orientiert. Überhaupt haben sich die Aufgaben der ErzieherInnen in den letzten 20 Jahren deutlich gewandelt – weg von der „Vorturnerin“, von der alle Impulse ausgehen, hin zu einer Entwicklungs-BEGLEITERIN, die BINDUNG gestaltet, aber nicht "anbindet“ und Kinder von sich abhängig macht. C„Bleib wie du bist und ändere dich täglich!“ (V . Erhardt) Gemeint ist mit dieser CHAMÄLEONARTIGEN Veränderungsfähigkeit die Bereitschaft des KitaTeams, die eigene Arbeit immer wieder zu reflektieren, neu zu bewerten und gegebenenfalls auch zu verändern. D – In einer guten Kita gibt es eine Art DIALOGFREUDIGKEIT… ErzieherInnen hören zu, fragen nach, regen zum Weitererzählen an über Gott und die Welt. Mit Sprache und Bewegung erschließen sich Kinder ihre Welt. Ihr Rüstzeug von unserer Seite ist EERMUTIGUNG: „Trau dich! Probier dich aus!...“. Jede/r hat dabei so seine eigene Art. In einer guten Kita haben diese EIGEN- und EINZIGARTIGKEITEN Raum; Kinder werden befähigt, ihren EIGENSINN in Einklang zu bringen mit den Bedürfnissen der gesamten Kita-Gruppe. Zugegeben: Nicht immer einfach, gelingt aber, je FFEINFÜHLIGER die ErzieherInnen ihre Beziehung zu den Kindern gestalten. Feinfühligkeit meint die Fähigkeit und Bereitschaft der ErzieherInnen, die Emotionen der Kinder wahrzunehmen und darauf einzugehen. Bei G – kommt die (gute) Kita-Leitung ins Spiel: Ihre Aufgabe ist es, ein GUTES GELINGEN zu gestalten. Das bedeutet u. a., sich für gute Rahmenbedingungen einzusetzen, andererseits, mit den vorhandenen Rahmenbedingungen das Bestmögliche umzusetzen. Und auch wenn es immer einen Grund zum Klagen gibt, so klagt es sich mit H HUMOR besser. In einer guten Kita wird viel gelacht – wohlgemerkt mit und nicht übereinander und ohne jegliche Form von IIronie! Die ist in einer guten Kita nämlich fehl am Platz! Dafür stehen die INTERESSEN der Kinder im Vordergrund… und da diese nicht alle identisch sind, gibt es die unterschiedlichsten Gruppierungen, die sich z. B. mit dem Thema Helden beschäftigen, die zum Käschern an die Wümme gehen, auf der Wiese sitzen und Sonnenblumen malen oder in Bremen eine Stadtführung machen. J – Ab und an gibt es Grund zum JUBELN. Das mag sehr individuell sein („Die Windel kann weg!“) oder kollektiv, wenn es sich um Feste, besondere Erlebnisse oder kleine Überraschungen handelt. Diese besonderen Momente sind dann später der Erinnerungsschatz, von dem Kind zehren kann. Die „Waldfee“, die man während unserer Waldwochen als weißes Wesen weit entfernt erahnen kann, gehört dazu! K – So antiquiert der Begriff KINDERGARTEN auch klingen mag, so trifft er bildhaft doch den Kern der KitaArbeit: Auch ein Garten will behutsam gehegt und gepflegt werden, es hat alles seine Zeit – man kann nichts beschleunigen, sondern wartet geduldig beobachtend und kann einzig das richtige Maß an Dünger hinzugeben. Das ist die Aufgabe der ErzieherInnen, und damit dies gemeinsam gelingt ist eine gute KOMMUNIKATION notwendig. L – „Gut Ding braucht lange Weil!“… und auch in Kitas sollte man eine Art Entdeckung der LANGSAMKEIT feiern. Kinder brauchen „ ihre“ Zeit, um sich sicher fühlen zu können, um Dingen auf den Grund zu gehen und ein Verständnis von der Welt zu entwickeln.

M – Die Zeiten, in denen in der Kitas altes Spielzeug und nicht mehr gebrauchte Sofas abgeladen wurden, ist vorbei. Kinder brauchen gutes und hochwertiges MATERIAL – nur so lernen sie, es zu pflegen und wertzuschätzen. N – Ein NACHHALTIGER Umgang mit Ressourcen ist zugleich ein unverzichtbares Thema in einer guten Kita als auch ein existenzielles der nachfolgenden Generationen. O OFFENHEIT ist eine Grundvoraussetzung (nicht nur) für den Beruf der ErzieherIn… offen für die Ideen und Bedürfnisse der Kinder, für die Lebensgestaltung der Familien, für die Denkweisen der KollegInnen. Offenheit meint nicht Beliebigkeit, sondern die Bereitschaft, andere Perspektiven einzunehmen und eigene Handlungsmuster und Einstellungen zu hinterfragen. P – Ebenso wie Nachhaltigkeit ist das Thema PARTIZIPATION mit Blick auf Gegenwart und Zukunft ein wichtiges Thema. Eine gute Kita spannt einen sinnvollen Bogen zwischen Haltgeben und Selbstentscheidenlassen. Kinder machen in der Kita die ersten Erfahrungen der Mitbestimmung (Meine Meinung ist gefragt! Ich muss mich entscheiden!), lernen für ihre Interessen einzutreten und auch Kompromisse zu schließen – soz. die Kinderstube der Demokratie. Das klingt alles sehr ernst – und daher gibt es notwendigerweise auch einfach nur QQUATSCH. Wortverdrehungen, Nonsensbegriffe oder Verkehrte Welt… wer könnte sich nicht an diese genussvollen Spielereien erinnern! Und was so quatschig daherkommt, ist Sprachförderung und Denkanregung in Reinkultur! R - wird maßgeblich bestimmt durch die RAUMGESTALTUNG – man spricht vom Raum als dem dritten Erzieher. Räume erzählen vom Leben miteinander und sind im besten Fall und in einer guten Kita einladend, anregend, auffordernd und fördernd. Eine konzeptionell durchdachte Raumgestaltung trägt wesentlich dazu bei, wie sich Kinder und Erwachsene verhalten, ob sie sich Raum lassen und RESPEKTVOLL miteinander umgehen. S – Eine gute Kita erkennt man am Umgang mit SCHWIERIGEN Kindern. Hier ein genervtes Aufstöhnen, da ein Augenverdrehen und ein „Schon wieder!“ sind – bei aller Belastung, die dieser Beruf mit sich bringt – kein Zeichen von Feinfühligkeit und Ernsthaftigkeit im Umgang mit Kindern. T – Eine gute Kita steht und fällt mit einem guten TEAM, das sich ergänzt, bereichert und die gemeinsame Verantwortung für das Leben in der Kita trägt. U – Kinder und Familien sind UNTERSCHIEDLICH, in ihrer Lebensgestaltung wie in ihrem Glauben. In einer guten Kita wird diese VVIELFALT gelebt und WWERTE vermittelt, die unabhängig der Glaubensrichtung allgemeingültig sind. Die Kurzformel ist recht alt: „Was du nicht willst, was man dir tut, dass füg´ auch keinem anderen zu!“ Kinder haben tausendundeine Frage, und man kann ihnen kein X für ein U vormachen. In einer guten Kita werden diese Fragen ernst genommen und Kinder auf der Suche nach „ihren“ Antworten begleitet. Dabei ist es wichtig, nicht über das Ziel hinauszuschießen, denn Kinder wollen nicht immer „alles“ wissen. Y – In einer guten Kita ist Raum für Ruhe. Das können kindgerechte YOGA-Übungen sein, Traumstunden oder einfach nur ein Raum, in dem es leise ist. Z – In eine gute Kita gehört auch ein wenig ZAUBER. Kinder leben in einer magischen Welt, die man ihnen lassen und nicht „weg-erklären“ sollte. In einer guten Kita gibt es auch dafür Platz – und schön ist es, wenn die großen und kleinen Menschen in der Kita gemeinsam staunen und diese „magischen Momente“ genießen können!

Auch wenn ich an dieser Stelle mehr als sechs Sätze schreiben durfte, ist dieses ABC mit Sicherheit unvollständig. Es zeigt aber, dass Geld allein keine gute Kita macht. Geld bräuchten wir dennoch – für gute materielle, strukturelle und personelle Bedingungen, denn da gibt es in Bremen / Deutschland im OECD-Vergleich noch ziemlich viel zu tun. Allein mit dem „Gute-Kita-Gesetz“ wird es wohl kein märchenhaftes „Plop – und alles-ist-gut“ geben! Wenngleich man gespannt sein darf, was nach dem „Starke-Familien-Gesetz“ in dieser Art „Gute-Politiker-Periode“ noch so alles kommt!

Ihre Elke Meiners

Ein Anmerkung noch: Wir haben seit geraumer Zeit keinen Zugriff (mehr) auf unsere Kita-Homepage (daher ist sie in einzelnen Bereichen nicht mehr aktuell); unsere Krippen-Homepage ist gänzlich „verschwunden“! Wir sind dabei, neue Seiten zu gestalten und bitten um etwas Geduld!