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Was gibt es in der Borgfelder Kirche zu entdecken? Teil 1

Mit dieser neuen Serie begeben wir uns auf einen siebenteiligen Rundgang durch die Borgfelder Kirche und ihre Umgebung, um die Augen zu öffnen für allerlei Entdeckungen. Wir beginnen unten im Kirchturm und steigen dann in den Turrn hinauf. Beim nächsten Besuch ist das Kirchenschiff unser Ziel, anschließend begehen wir den Altarraum und die Sakristei und steigen dann auf die Empore mit der Orgel. Zum Abschluss sehen wir uns die Kirche von außen an und besuchen den Friedhof.

Grundlage fur die Berichte ist vor allem das Buch von G. Bodensieck "Geschichte der Kirchengemeinde Bremen-Borgfeld" sowie Unterlagen aus dem Borgfelder Heimatarchiv. Ich danke den Herren Erhard Schmidt und Dietmar Früchtenicht fur Informationen und Unterstützung.

Beginnen wir also mit dem Kirchturm, der an die Westwand der Kirche anschließt. Er misst im Grundriss 6 x 6 Meter und war ursprünglich in Ständerbauweise gebaut, bei dem 1701 die Gefache ausgemauert wurden. Als er wieder baufällig wurde, errichtete man 1869 einen neuen Turm aus Ziegelsteinen, der bis heute steht.

Das Kirchenschiff betrat man ursprünglich durch eine Tür an der Nordseite. Erst 1927 wurde der untere Turmraum zur Eingangshalle fur die Kirche.

Treten wir hier ein, dann fällt uns als erstes ein alter Taufstein auf. Er ist aus Sandstein gefertigt und trägt keinerlei Verzierungen oder Inschriften, die Hinweise auf sein Alter geben könnten. Er wurde 1964 nach dem Abriss der alten Pastorenscheune von Küster Erhard Schmidt aus etwa einem halben Meter Tiefe ausgegraben. Das Taufbecken hat einen Durchmesser von 66 cm. Gelegentlich wurde die Auffassung vertreten, dass es aus romanischer Zeit, also aus dem 11. oder 12. Jahrhundert stammt. Frau Dr. Weibezahn, die als Expertin fiir Kirchenkunst dazu befragt wurde, ist sich - nachdem sie sich den Taufstein angesehen hatte - hinsichtlich der zeitlichen Zuordnung unsicher und hält ihn für etwas jünger, Mit Sicherheit ist er jedoch das älteste Inventarstück, das die Borgfelder Kirche besitzt. Es wäre daher zu begrüßen, wenn er wieder als Taufbecken Verwendung finden könnte.

Als nächstes wenden wir uns den beiden Grabsteinen an der Westwand des Turmes zu, die ebenfalls über ein beträchtliches Alter verfügen. Leider stehen sie so dicht an der Wand, dass die andere Seite kaum zu entziffern ist. Glücklicherweise konnte Frau Ursula Siebert in ihrem 1981 herausgegebenen Büchlein "Die ältesten Grabsteine zu Borgfeld" die vollständigen Texte beider Seiten wiedergeben.

Rechts steht der Grabstein des "Ehrlich und achtbaren Daniel TIETIEN seelig in Gott den Herrn entschlafen der Seele Gott gnädig ist seines Alters 59 Jahr". Daniel Tietjen lebte von 1663 bis 1722 und wohnte an der Borgfelder Landstr. 1. Oben auf dem Stein ist auf einem Wappenschild die Hausmarke des Daniel Tietjen zu sehen, in der die Buchstaben D und T zu erkennen sind.

Der "Leichentext" bei der Beerdigung ist auf der Rückseite wiedergegeben. Er besteht aus dem Anfang und Ende des Verses 12 von Psalm 5 und lautet: "Las sich freuen alle die auf dich trauen ewiglich las sie rühmen frölich las sein in Dir die Deinen Namen lieben".

Auf der unteren Hälfte des Steins wurde offensichtlich später aufgeführt der Kirchgeschworene Harm Lührs, geboren 1744, gest. 30. August 1840. Dieser wohnte zwei Generationen nach Daniel Tietjen auf dem Hof Borgfelder Landstr, 1. Unten ist auch sein Leichentext angegeben.

Links sieht man die Rückseite des Grabsteines von Jacob Harjes, geboren 09.05.1819, gestorben 26.06.1848 und seiner Ehefrau Adelheit, geborene Rathjen, geboren 18.07.1814. Ihr Todesdatum ist noch nicht aufgeführt. Das Ehepaar wohnte in Timmersloh auf dem Rathjen-Hof (heute Timmersloher Landstr. 10-12).

Weiter heißt es auf dem Stein: "Sie wurden im Ehestand gesegnet mit 4 Kinder als 2 Knaben und 2 Mädchen, wovon ein Knabe ihm in die Ewigkeit vorausgegangen ist". Darunter steht der Leichentext aus Hiob 14, Vers 1 und 3. Dieser Text ist wie erwähnt, derzeit nicht sichtbar.

Auf der sichtbaren Seite ist oben eine Sanduhr, von einem Kranz umgeben, als Symbol fur den Tod zu sehen. Dann folgt vermutlich ein Liedvers, der mit folgenden Worten beginnt: "Am Grab des Christen singet man vom Sieg mit lauter Freuden". Anschließend findet sich dieser Text: "Dies Denkmahl der Liebe widmen die hinter bliebene Gatin und Kinder, welche an seiner Seite zu ruhen hoffen und sein Andenken wird den Seinigen unvergeslich und Gesegnet bleiben".

Vor dem linken Stein steht das frühere Lesepult, das heute zur Auslage von Informationsmaterial genutzt wird.

Unser Blick fällt dann auf die Südwand, auf der von dem Maler Kurt Claussen-Finks die Chronik der Borgfelder Kirche aufgezeichnet wurde. Der Text wurde von den Herren Wilhelm Dehlwes und Gustav Bodensieck zusammen gestellt und nach der Renovierung 1965 angebracht. Dieser Text wurde später noch korrigiert, da die Kirche in Borgfeld nicht 1384, sondern schon 1281 erstmals in Urkunden erwähnt wurde.

Zu guter Letzt wollen wir das Gedenkbuch nicht vergessen, das im Fenster unter einer Glasscheibe ebenfalls 1965 ausgelegt wurde. Hierin sind die Toten der beiden Weltkriege 1914 - 1918 und 1939 - 1945 aufgeführt. Nach Jahren geordnet wurden in alphabetischer Reihenfolge nicht nur Soldaten, sondern auch andere Personen, die durch den Krieg ums Leben kamen: Bombenopfer, Tote bei Flucht und Vertreibung und in Gefangenschaft Gestorbene. Fur den ersten Weltkrieg sind 53 Namen aufgeführt, für den zweiten 185 Tote und 64 Vermisste. Dieses Buch wurde vermutlich auch von dem Maler Kurt Claussen-Finks geschrieben.

Dr. Hermann Cordes