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Was gibt es in der Borgfelder Kirche zu entdecken? Teil 2

Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass die Fotos im 1. Teil dieser Serie fast alle von unserer Diakonin Frau Rita Schöne aufgenommen wurden. Das gilt ebenso für diesen Bericht und für die folgenden. Dafür ist ihr vielmals zu danken.

Setzen wir nun also den Besuch der Borgfelder Kirche fort. Unser Ziel sind die oberen Räume im Kirchturm. Von der Vorhalle im Turm betreten wir das  Kirchenschiff. Das wäre so vor 100 Jahren nicht möglich gewesen, denn erst 1927 wurde diese Verbindung vom Turm zur Kirche bei dem umfassenden Umbau der Kirche durch Pastor Mohrmann neu angelegt. Vorher betrat man die Kirche von zwei Eingängen an der Nordseite. Auf einer Zeichnung der Kirche um 1828 von A.C. Homann, nachgezeichnet von W. Dehlwes, sind diese beiden Eingänge gut zu erkennen. Das gilt ebenso für den Grundriss aus derselben Zeit.

Wir steigen nun die Treppe zur Orgel-Empore hinauf und finden dann hinter der Orgel eine schmale, niedrige Türöffnung. Ein schmaler Gang hinter der Orgel führt zu einer Treppe aus einfachen Holzbrettern, auf der wir in das erste Obergeschoss hinaufklettern. Dieser Raum wird derzeit als Abstellraum genutzt. Auffallend ist der große braune Schrank. In ihm hingen früher die Umhänge der Sargträger, heute ist er leer. Außerdem „übersommern“ hier der Tannenbaumständer und die Weihnachtskrippe. In einer Ecke stehen sechs schwarze Kerzenständer aus Eisen, die ca. 1,50 m hoch sind. In einem Pappkarton liegen Glaszylinder der früheren Wandlampen in der Kirche.
Eine weitere Treppe führt uns ins zweite Obergeschoss. Im Zentrum dieses Raumes steht ein großer Holzkasten, in dem es laut tickt. Wir öffnen die Tür und erblicken ein großes Eisengestell mit zahlreichen Zahnrädern, die ineinandergreifen und von einem großen Pendel bewegt werden. Das Gestell ist ca. 1,5 x 1,8 m groß. Es ist das Uhrwerk für die Kirchenuhr. Hergestellt wurde es vor über 100 Jahren von der Firma Weule in Bockenem am Harz. An dem Uhrwerk befindet sich ein Schild mit folgender Inschrift: „Geschenkt von B.A. Noltenius in Borgfeld im Jahre 1893.“ Gestiftet wurde die Kirchenuhr als von Bernhard August Noltenius, der von 1823 - 1896 lebte und sicherlich ein Spross der bekannten Borgfelder Familie ist (nach Auskunft von Frau R. Noltenius). Dieses Uhrwerk ist hervorragend gepflegt und bildet einen deutlichen Gegensatz zu dem das Gehäuse umgebenden Raum mit seinem Staub, den Spinnweben und dem Vogelkot.

Unser Weg ins nächste Obergeschoss über eine schmale Treppe führt uns in den Glockenraum mit den beiden Glocken. Die linke größere Glocke trägt nur die Aufschrift: „Friede“ und ein Kreuz. Sie ist auf den Ton gestimmt. Diese Glocke wurde nach BODENSIECK 1955 von Johann und Walther Jacobs gestiftet und bei der Firma Otto in Hemelingen gegossen. Das gilt nach der gleichen Quelle angeblich für die zweite Glocke auch, da beide Glocken im zweiten Weltkrieg abgeliefert werden mussten. Dieses kann aber nicht zutreffen, denn diese kleinere Glocke, die ebenfalls auf den Ton gestimmt ist, trägt folgende Inschriften: „Jesus Christus ist unser Heil“ (oben). Darunter steht: „Daniel und Johann Jacobs Bremen 1929“. Das kann nur bedeuten, dass diese Glocke erhalten geblieben ist.

An einem der mit Holzklappen versehenen Fenster, so dass man keinen freien Blick in die Umgebung hat, wurde vor Jahren eine Lücke geöffnet. Hiervor wurde ein Eulenkasten eingebaut, der seitdem mit Unterbrechungen von Schleiereulen besiedelt wurde. Leider ist die diesjährige Brut bei dem Frost verendet, da die Eulen schon im Winter brüten. Mangel an Nahrung könnte die Ursache dafür sein.
Eine lange schmale Leiter, die beim Besteigen leicht schwankt, führt in der Kuppel in einen weiteren Raum, der aber leer ist und nur von einer Lampe erhellt wird. Ob hier Fledermäuse ihr Quartier haben, konnte ich nicht feststellen.
Bleibt zu erwähnen, dass vom zweiten Obergeschoss eine Treppe mit wenigen Stufen auf den Dachboden des Kirchenschiffes führt, der nur zum Teil mit Brettern ausgelegt ist.

Dr. Hermann Cordes