Zur Startseite

Was gibt es in der Borgfelder Kirche zu entdecken? Teil 3

Vorbemerkungen:
1. Im ersten Teil dieser Serie wurde berichtet, dass 1964 Küster Erhard Schmidt den alten Taufstein ausgegraben habe. Diese Aussage muss berichtigt werden. Nach BODENSIECK 1972 (2. Auflage) wurde dieses Taufbecken 1964 beim Einbau des Öltanks im Pfarrgarten gefunden. Küster Plötz hat nach Auskunft seiner Frau, das Taufbecken dann 1965 vor dem neuen Gemeindesaal aufgestellt.
2. Im zweiten Teil wurde nicht angegeben, auf welche Töne die Borgfelder Glocken gestimmt sind. Nach Auskunft von Frau Kiessling ist die größere Glocke auf den Ton „e“, die kleinere auf den Ton „g“ gestimmt.

Wir setzen nun unseren Rundgang durch die Kirche fort und betreten nochmals das Kirchenschiff. Auf der rechten, der Süd-Seite fällt zunächst zwischen dem 2. und 3. Fenster ein Luther-Bild auf. Dass in unserer Kirche ein Bild von Luther hängt ist überraschend, da die Gemeinde über lange Zeit eher reformiert beeinflusst war. Von wem stammt also dieses Bild und seit wann hängt es hier? Vielleicht kann eine Notiz auf der Rückseite dazu Auskunft geben. Das Ergebnis ist überraschend. Auf der Rückseite des Bildes erblickt man eine weiße Kunststoffplatte ohne irgendwelche Angaben. Eine genauere Betrachtung zeigt dann, dass das Bild ein Druck auf einer Kunststoffplatte ist, also relativ neu sein muss. Vielleicht kann sich jemand von den älteren Gemeindemitgliedern aran erinnern, ob es schon vor der Renovierung der Kirche 1965 hier hing. Genau gegenüber auf der Nordseite befindet sich der älteste Gegenstand in der Borfelder Kirche. Es ist ein Epitaph, das zu Ehren des letzten männlichen Sprosses der Erbrichterfamilie Brand, Bürgermeister Joachim Brand, gefertigt wurde. Es zeigt in der Mitte das Wappen der Brands, die über mehrere Generationen einen der beiden Borgfelder Erbrichter stellten. Um das Wappen herum findet sich folgende Inschrift: „Anno 1673 5. Febr. ist H. Joachim Brand, Bürgermeister der Stadt Bremen und Erbrichter zu Borgfeld sälig gestorben. Er war der letzte dieses uralten Geschlechts und hat diese Kirche reichlich begabet, daherr dieses hie zum Andenken gesetzet“.

 

Zwei ebenfalls alte Gegenstände sind die Kanzel aus dunklem Holz und das Bildnis über dem Taufbecken. Beides kam aber erst bei der letzten Renovierung der Kirche 1965 durch Vermittlung des Architekten Jan Noltenius in unsere Kirche. Die reich geschmückte Kanzel aus dem Jahre 1640 stand ursprünglich in der St. Pauli-Kirche in der Neustadt. Diese erlitt im letzten Weltkrieg starke Bombenschäden, und so erhielt die Gemeinde nach dem Kriege einen modernen Neubau. J. Noltenius erreichte dann, dass die St. Pauli-Gemeinde auf ihre alte Kanzel, die beim Brand erhalten geblieben war, verzichtete und Borgfeld diese geschenkt erhielt. Einige Jahrzehnte später hätte der Vorstand von St. Pauli ihre frühere Kanzel gern zurückgeholt, dies wurde aber vom Borgfelder Kirchenvorstand abgelehnt.

 

 

Der runde, farbig bemalte Stein an der rechten Frontseite, der einen Durchmesser von 35 cm hat, soll der Schlussstein im Gewölbe einer im Krieg zerstörten Bremer Altstadt- Kirche gewesen sein. Eine Umfrage in der Bremer Kirchenzeitung vor ca. 20 Jahren, in der nach der Herkunft dieses Steines gefragt wurde, blieb leider ohne Ergebnis. Architekt Noltenius hatte ihn auf einem Lagerplatz entdeckt, auf dem das Denkmalamt Überreste der zerstörten Kirchen aufbewahrte. Der Stein zeigt im Zentrum ein Lamm mit einem Schwert darüber, dessen Griff als Kreuz ausgebildet ist. Aus der Brust  strömt ein Blutstrahl in einen Kelch. Dieses gilt als Symbol für Jesus und seinen Tod (Agnus Dei). Im oberen Teil ist vermutlich Gott mit seltsam großen Ohren dargestellt. Von dort haben zwei Girlanden ihren Ursprung, die wahrscheinlich zwei Kaufleute mit ihren Frauen darstellen. Dieses Relief könnte nach Auskunft von Frau Dr. Weibezahn aus der Dürerzeit, als auch aus der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert stammen.

 

 

Oberhalb der Kanzel fällt ein Patchwork- Wandbehang auf, der in den neunziger Jahren von Frau Olesch gefertigt und der Kirche geschenkt wurde. Er symbolisiert die für das Leben auf der Erde wichtigsten Elemente Licht und Wasser. Zur Weihnachtszeit wird dieser Wandbehang durch einen ebenfalls von Frau Olesch gestifteten Behang mit dem Weihnachtsstern getauscht. Bemerkenswert sind auch die farbigen Glasfenster vorne. Sie wurden von dem Künstler Erich Schulze-Altdamm, dem Bruder von Pastor Schulze, geschaffen, von der Familie Jacobs gestiftet und bei der Renovierung 1965 eingebaut. Das rechte Fenster zeigt eine Taube, die herab fliegt, und wird von den Farben gelb und blau dominiert. Das Fenster auf der linken Seite zeigt das Kreuz, in ihm herrschen die Farben rot und blau vor. Übermalt wurden bei der letzten Renovierung zwei Engel, je einer links und rechts an
der Front-Wand, und die farbige Deckenbemalung. Erst neueren Datums sind zwei Ausstattungsstücke im hinteren Teil der Kirche. Beides sind Arbeiten Borgfelder Konfirmanden, die diese auf Freizeiten unter Anleitung von Rita Schöne in den letzten Jahren gefertigt haben. Links an der Nordseite hängt ein gefilzter Wandbehang mit Symbolen der Weltreligionen. Ebenfalls mit diesen Symbolen bemalt sind Steine in einem Holzrahmen, die auf der rechten hinteren Fensterbank in Gips eingebettet sind. Zum Abschluss sei auf die grüne Kirchenbank am Aufgang zur Orgel hingewiesen, die Küster Kalinna hier aufgestellt hat. Es ist eine der alten Bänke aus dem Kirchengestühl vor der Renovierung, das angeblich unbequem und unschön war und deshalb entfernt wurde.

Dr. Hermann Cordes