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Liebe Borgfelderinnen, liebe Borgfelder,

„Live is what happens to you while you're busy making other plans.” Längst sind diese Mitte der 1970er Jahre von John Lennon geschriebenen Worte in unseren Sprich-wortschatz eingegangen und werden immer wieder mal mahnend zitiert, wenn wir vor lauter Geschäftigkeit das Wesentliche zu übersehen scheinen. „Leben ist das, was dir passiert, während du eifrig andere Pläne machst.“

Es ist zweifelsohne ein Problem unserer Gesellschaft, dass wir offensichtlich immer mehr eingespannt werden in ein gut funktionierendes Räderwerk von Terminen und Verpflichtungen. Wie schön ist es dann, wenn endlich der Sommer mit seiner großen Pause, den Sommerferien da ist. Da kann man dann endlich mal durchatmen und ein paar Gänge langsamer machen. Mit neuen Kräften aufgetankt geht es dann wieder los und schneller als man sich versieht, sehnt man sich schon wieder nach Urlaub. So geht es bestimmt einigen von Ihnen in diesem Spätsommer, in dem die Ferien ja schon wieder ein paar Wochen vorbei sind.

Manchmal ist das vielleicht unumgänglich, manchmal aber auch selbstgemachtes Leid. Natürlich können nicht immer Ferien sein. Aber auch Ferien allein können das Problem der Atemlosigkeit im Leben nicht wirklich lösen. Es ist vielmehr ein Problem in unserem Kopf und schon so alt, dass auch der Prediger im Alten Testament davon zu erzählen wusste, wenn er schrieb: „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“

Diese Ruhe ist mehr, als nur ein Ausruhen, wie wir es hoffentlich trotzdem in den gerade vergangenen Ferien erleben durften und der Lennon-Vers fokussiert das Ganze, indem er eben sagt: Es ist das Leben, das dir passiert, während du eifrig andere Pläne machst. Es kommt nicht nur auf das richtige Maß zwischen Ruhe und Geschäftigkeit an, sondern auf eine grundlegende Sichtweise, was Leben ausmacht. Da gehört das Räderwerk der Termine leider ein Stück weit dazu, aber immer mehr Menschen scheinen diesem Werk auch in der freien Zeit, selbst in den Ferien nicht mehr zu entkommen oder entkommen zu wollen.

Jeder Moment scheint geplant: Nach der Arbeit zum Sport, Musik sollte man auch machen, etwas Kultur, etwas Fortbildung und abends um neun hat man vielleicht auch noch mal Zeit zu kochen. Für den Urlaub gibt’s ein gut geplantes Programm, damit man auch jede Minute optimal ausschöpft. Für Kinder sieht das ähnlich aus, und das muss dann auch noch im Familienkalender koordiniert werden. Hat eigentlich mal jemand versucht, in diesem Sommer in der freien Zeit nur in den Tag hinein zu leben? Selbst wenn es nicht um das große Programm geht, so ist es doch gar nicht so leicht, mal keinen Plan zu haben, wie man den Tag gestaltet. So mancher denkt sogar, dass es das ist, was „Leben“ ausmacht. Es ist aber der ungeplante Moment, in dem vielleicht nur vermeintlich „sinnlos“ die Zeit vorbei streicht, der uns spüren lässt, dass wir leben und der uns Kraft schenkt.

Man braucht dafür nicht immer gleich ein paar Wochen frei. Wer schon wieder ganz vom Alltag eingeholt wurde, sollte doch einfach mal schnell den nächsten freien Tag nutzen, bzw. eben nicht nutzen, um mal zu schauen, was da so an Leben passiert. Ich wünsche Ihnen einen kraftvollen und erfüllten Start in den Herbst. „Besser eine Hand voll mit Ruhe, als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“

Es grüßt ganz herzlich,

Ihr Clemens Hütte