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Was gibt es in der Borgfelder Kirche zu entdecken? Teil 5

Bei unserer bisherigen Entdeckungsreise durch unsere Kirche haben wir etwas Wichtiges ausgelassen, die Orgel auf der Empore an der Turmseite.
Ursprünglich war dieser Bericht für unsere Kantorin und Organistin Katharina Kissling als Fachfrau vorgesehen. Auf ihre Bitte hin habe ich nun diesen Teil auch übernommen, sie hat dazu aber Informationen geliefert. Da es über die Borgfelder Orgel insgesamt nur wenig zu berichten gibt, wird in diesem Beitrag auch über frühere Orgeln und Organisten berichtet. 

Die Borgfelder Orgel wurde 1970 von der bekannten Orgelbaufirma Alfred Führer in Wilhemshaven eingebaut. Sie ist eine relativ kleine Orgel, angepasst an die Größe der Borgfelder Kirche, mit 2 Manualen und 17 Registern. Register wird eine Reihe von Pfeifen mit gleicher Bauart und Klangfarbe genannt. Große Kirchen wie die Dome in Bremen und Verden besitzen entsprechend mehr Register. So hat die Furtwängler-Orgel im Verdener Dom 54 Register, die Bielfeldt-Orgel in der St. Willehadi-Kirche in Osterholz-Scharmbeck dagegen nur 23.


Orgeln sind gegen das Eindringen von Feuchtigkeit sehr empfindlich. Beim Umbau der Kirche 1964/65 wurde die Orgel nicht wie erforderlich geschützt. Die Folge war, dass sie so starke Schäden erlitt, dass sie kaum noch zu bespielen war. Daher musste eine neue Orgel bestellt werden. 

 

Diese frühere Orgel war übrigens eine Furtwängler Orgel, d.h. sie war von der renommierten Firma Furtwängler & Hammer aus Hannover geliefert worden, die viele Orgeln in Nordwestdeutschland baute. Sie gelten als Orgeln des spätromantischen Stils. 1927 wurde die Borgfelder Orgel, die auf der Empore stand, in eine Nische in der Turmwand umgesetzt, in der auch die jetzige Orgel steht.
 

Bei der Borgfelder Orgel sind den drei Hauptteilen der Orgel folgende Register zuzuordnen:

 

PedalHauptwerkRückpositiv
Subbass16`  Rohrflöte8`Gedackt8`
Prinzipal4`Blockflöte4`
Oktave8`Hohlflöte2`Prinzipal2`
Quinte11/3` Sesquialtera2-fach
Flöte4`Mixtur4-fach Scharff3-fach
Trompete8`Krummhorn8`

Hinzu kommt ein Tremulant.

Je zwei der drei Hauptteile oder alle zusammen können gekoppelt werden.


Auch die Führer-Orgel erlitt bei einem weiteren Umbau 1985 Schäden, so dass sie 1988 gründlich gereinigt und überholt werden musste. 1999 erhielt sie einen neuen Motor, 2009 war erneut eine Orgelrenovierung erforderlich.


Seit wann es in Borgfeld überhaupt eine Orgel gab, ist nicht bekannt. Aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg wird berichtet, dass ein Hans Mathies gleichzeitig Küster, Lehrer und „Vorsänger“ war. Die Bezeichnung „Vorsänger“ könnte darauf hindeuten, dass es damals keine Orgel gab. Das könnte aber auch die Folge davon gewesen sein, dass sich um diese Zeit in Bremen die Calvinisten gegen die Lutheraner durchsetzten. Diese lehnten Orgeln im Gottesdienst ab.


 

 

An der Durchsetzung der Calvinisten in Bremen war in erheblichem Umfange der Borgfelder Erbrichter Johann Brand als Freund des Bremer Bürgermeisters Daniel von Büren beteiligt. Es ist also zu vermuten, dass sich die calvinistische Richtung in Borgfeld früh durchgesetzt hat, zumal der Erbrichter auch Kirchenpatron war.
Wie die Borgfelder Orgel vor dem großen Kirchenumbau 1896 ausgesehen hat, ist auf einem Foto zu sehen, das F. Bischof zur Verfügung stellte. Es ist die älteste bekannte Innenaufnahme aus der Kirche, als die Kanzel noch an der Südseite stand (siehe auch Grundriss aus der Zeit vor 1896). Auch damals war schon eine Empore vorhanden, auf der die Orgel stand.

Zum Abschluss sollen noch kurz die Organisten in Borgfeld in den letzten 100 Jahren vorgestellt werden. Bis 1889 war das Schulwesen der Kirche zugeordnet. Dadurch waren Lehrer- und Küsteramt damals miteinander verbunden. Das traf vermutlich auch für das Organistenamt zu. Erst 1914 wurde die Tätigkeit als Organist ein eigenes Amt, das in Borgfeld zunächst im Nebenamt ausgeübt wurde. 

Erster Organist in dieser Funktion war der Lehrer und spätere Schulleiter Wilhelm Dünkering, der dieses Amt bis 1945 innehatte.

 

Ihm folgte der Lehrer Gustav Corßen bis 1970.

Ansgar Müller-Nanninga war der nächste hauptamtliche Organist in Borgfeld. Unter seiner Leitung kam es zu einer weiteren Entwicklung der Kirchenmusik. Mit der Kantorei führte er bekannte Werke bedeutender Komponisten auf. Bereits nach 8 Jahren verließ er Borgfeld, um neue Aufgaben an großen Bremer Kirchen zu übernmehmen. Heute ist er Landeskirchenmusikdirektor.

 

 

Mit Katharina Kissling übernahm 1988 erstmals eine Frau die Aufgabe als Organistin und Kantorin.

Dr. Hermann Cordes

Quellen:
1. Bodensieck, G. (1972): Die Kirchengemeinde Borgfeld, 2. Auflage

2. Klagge, H. (1984): Die Kirchengemeinde. In Faltus, H. & Klimek, L Borgfeld.
Eine alte Landgemeinde Bremen.


3. Vogel, H., Lade, G. & Borger-Keweloh,N.: Orgeln in Niedersachsen.