Zur Startseite

Was gibt es in der Borgfelder Kirche zu entdecken Teil 6

Für diesen letzten Bericht über die Kirche in Borgfeld wollen wir dieses Mal die Kirche verlassen. Wir werden zum Abschluss die Kirche von außen betrachten, es schließen sich dann einige Beobachtungen auf dem die Kirche ungebundenen Friedhof an.

 Wenn wir von der Borgfelder Landstraße leicht aufwärts Richtung Kirche gehen, bemerken wir, dass diese auf einer Anhöhe liegt, vor vielen Jahrhunderten wurde dieser Platz sicherlich ausgewählt, weil er am ehesten die Chance bietet,  dass das Gotteshaus vor Überschwemmungen möglichst sicher ist. Sie konnte daher in Notzeiten Zuflucht für Menschen und … bieten. Die 1m dicken Mauern des Gebäudes boten zusätzlichen Schutz.


Wir wenden uns nun dem Eingang im Turm zu. Hier fällt dem aufmerksamen Betrachter zweierlei auf. Links vor dem Eingang steht ein massiver heller Sandstein, dessen Höhlung jetzt mit kleinen Steinen gefüllt ist. Es ist der Taufstein, der nach der Renovierung der Kirche 1964/65 vorn in der Kirche rechts aufgestellt worden war. Da er Pastor Klagge für unsere Kirche zu wuchtig schien, wurde er 1984 durch das jetzige Taufbecken ersetzt und außerdem draußen vor der Kirche aufgestellt.

Erinnern Sie sich, welcher Spruch über dem Eingang auf einer Tafel steht? Wie oft sind wir schon darunter hindurch gegangen, ohne ihn zu beachten. Er lautet:

 "Der Herr ist mein Licht und Heil“

Es bedarf noch der Klärung, warum diese Tafel eingemauert wurde.

Als nächstes wollen wir nun das Kirchenschiff von außen genauer ansehen. Dabei sollten wir vor allem auf die Größe und Farbe der Ziegelsteine achten. Leicht zu erkennen ist, dass der obere Teil aus kleineren „moderneren“ Steinen besteht. Der Grund dafür ist, dass das Kirchenschiff 1896 um einen Meter erhöht wurde. Das alte Dachgebälk wurde dabei weiterhin verwendet,
sodass die Dachneigung heute deutlich geringer ist. Zur gleichen Zeit wurde auch der Kirchturm um ein Stockwerk erhöht, was ebenfalls an den unterschiedlichen Farben der Steine ablesbar ist. Damals wurde auch das Zifferblatt der Uhr mit einem Meter Durchmesser, gestiftet von der Familie Noltenius, eingebaut. Schon genauer muss man das Mauerwerk betrachten, wenn man den früheren Eingang zur Kirche zwischen dem 1. und 2. Fenster, vom Turm angesehen, erkennen will. Dieser Eingang ist auf einer Zeichnung von Homann aus dem Jahr 1828 deutlich dargestellt (siehe Teil 2 dieser Serie). Auf der Südseite der Kirche hat es in jener Zeit offensichtlich ebenfalls einen Eingang genau gegenüber gegeben. Besonders auffällig ist hier eine größere Zahl stark verwitterter Steine. Das deutet darauf hin, dass beim Zumauern der Türen Steine minderer Qualität verwendet wurden. Ebenfalls nur mit Mühe ist am Mauerwerk erkennbar, dass die Kirche 1732 an den Längsseiten gen Osten um 7m von 12 auf 19m verlängert wurde. Die Grenze zwischen den beiden Abschnitten lag vermutlich genau an der Westseite des heutigen dritten Fensters. Auf der Nordseite gab es hier früher übrigens noch einen Eingang, das sogenannte Kinderhaus

 

 

Die neueren Anbauten aus den Jahren 1964/65 heben sich durch die kleineren Steine deutlich ab. Dazu gehören Apsis mit Sakristei an der Nordseite und der Heizungsraum an der Südseite sowie der Anbau am Turm mit zwei Abstellräumen und einer Toilette ebenfalls im Süden.

Wenden wir uns nun dem Friedhof zu. Er wird in die drei Abschnitte A, B und C unterteilt. Der Teil A ist der älteste und umgibt wie früher bei Dorfkirchen üblich, ringsherum die Kirche. Charakteristisch für ... Dorffriedhöfe waren die großen Grabstätten der alten Bauerngeschlechter, die damals auch zum Erbe gehörten. Erfreulicherweise sind in Borgfeld links und rechts des Hauptweges noch einige davon erhalten geblieben. Es ist zu hoffen, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Links des Weges, zur Landstraße hin, befinden sich noch zehn solcher lang gestreckten Gräber, u. a. der Familien Dehlers/Warf, Daniel Jacobs und der beiden Klüver-Höfe. Auf der Grabstätte der Familie Daniel Hilken, Katrepel, steht noch ein alter Grabstein aus dem 19. Jahrhundert. Rechts vom Haupteingang sind sechs große Grabstätten erhalten geblieben, u.a. die von Garbade, Döhle - Timmersloh und Noltenius.

Von der Nordseite der Kirche wurden mehrere alte und bemerkenswerte Grabsteine aufgestellt, die wegen der inzwischen hochgewachsenen Rhododendron z.T. vom Weg nicht mehr erkennbar sind. Diese Rhododendronbüsche werden jetzt umgepflanzt. Vorne am Weg liegen zunächst drei Grabsteine der Familie Abegg, zwei für die beiden Frauen des Pastors Gesine Henriette geb. Sengstack (1809 – 1843) und Margarete Theodore geb. Post (1822 – 1860) sowie einer für drei seiner insgesamt 9 Kinder. Weiter zur Sakristei hin entdecken wir dann den Stein von Wilhelm Dinkering, der von 1914 – 1945 Organist und Lehrer und später Schulleiter in Borgfeld war.

Von den vier vor der Kirchenwand aufgestellten alten Grabsteinen sind derzeit nur bei zweien die Inschriften zu entziffern. Auf dem östlichen Stein stehen die Namen von Johann Behrens (1805 – 1854) und seiner Ehefrau Margarethe Haris (1803 - ?) von der Warfer Landstraße, 34 (heute Dehlwes). Beim folgenden sind aufgeführt Harm Behrens (1773 – 1839) und Helena geb. Lührs (1778 – 1849) sowie der Sohn Jakob Behrens (1802 – 1869) und dessen Ehefrau Adelheit geb. Harjes (1807 – 1850). Hingewiesen sei noch auf den Grabstein der Familie Weingart südwestlich der Kirche vor der früheren Leichenhalle. Darauf steht der Wahlspruch von Pastor Ferdinand Weingart: „Frei sei der Geist und ohne Zwang der Glaube“.
Die Leichenhalle wurde 1957 errichtet. Bis dahin was es üblich, dass die Gestorbenen im Hause aufgebahrt wurden. Da dies nicht mehr überall möglich war und die Beerdigungsunternehmen noch nicht geeignete Räume dafür hatten, wurde von Gemeindemitgliedern eine Leichenhalle auf dem Friedhof gewünscht. Diese wurde nach Auskunft von E. Schmidt bis 1970 genutzt. Heute stehen darin der Leichenwagen und die
Geräte für Beerdigungen Zum Abschluss wollen wir und einen künstlerisch bemerkenswerten Grabstein in Teil C ansehen. In der Gräberreihe zum Grundstück Ewald finden wir den Grabstein für Therese Altenstein. Der bekannte Bildhauer Prof. Dr. Bernd Altenstein, wohnte zeitweilig in Borgfeld und schuf ihn für seine Mutter. Er zeigt auf einer Kupferplatte, die auf einer Steinplatte befestigt ist, ein Kruzifix.

Damit schließen wir unsere Entdeckungstour ab.

Dr. Hermann Cordes


Quellen: 1. G. Bodensiek (1972): Geschichte der Kirchengemeinde Bremen – Borgfeld, 2.Auflage


2. U. Siebert (1981): Die alten Grabsteine zu Borgfeld

An der Kirchenwand darüber befindet sich eine weiße Marmortafel. Sie trägt folgende Inschrift: „Gewidmet in Liebe und Verehrung ihrem hoch… Seelsorger Herrn Pastor Dithard Abegg zur Feier seines 50 jährigen Gemeindejubiläums von seiner dankbaren Gemeinde. Borgfeld, September, 9 1835.“ Diese Tafel hing bis 1965 im Kirchturm. Pastor Abegg war von 1835 bis 1887 in Borgfeld tätig, er war sehr beliebt.